Denali Nationalpark

Der 24’000qkm große Denali Nationalpark ist mein meditatives Rückzugsgebiet, in welches ich mich seit 1999 immer wieder für Wochen und Monate, Jahr für Jahr von der Zivilisation verabschiede, um mich in der subarktischen Wildnis vollends der Naturfotografie zu widmen. Ich genieße es mich dem Rhythmus der Natur zu unterwerfen, um dabei tagelang auf gutes Licht oder Tiere zu warten. Geduld ist dabei keine gefragt, nur die Bereitschaft loszulassen und zufrieden zu sein, mit dem wie und wann etwas geschieht. Das Gefühl innerer Gelassenheit ist mein fünf Sterne Luxus und der notwendige Ausgleich zum Leben auf der Bühne.

Elch im Wonder Lake vor der Kulisse der Alaska Range

Mein Chevy Van

Mit der Genehmigung für professionelle Fotografen konnte ich mit meinem eigenen Fahrzeug auf der 140 km langen Schotterstraße quer durch den Denali Nationalpark fahren. Neun Jahre lang wurde sie mir aufgrund der unzähligen Publikationen über Alaska und den Denali Park ausgestellt und ich musste nicht mit dem parkeigenen Shuttlebus vorliebnehmen. Dann geschah das, was mir meine Freunde und allen voran mein Mechaniker Terry schon vor langer Zeit prophezeit hatten, ich aber nie wahrhaben wollte: mein Chevy Van starb. Es geschah im Sommer 2012 auf der Straße von Fairbanks nach Anchorage, da hauchte er unerwarteterweise sein Leben aus. Dabei war er gerade mal 31 Jahre alt geworden und hatte geschätzte eine Million Meilen auf den Kolben und schon fühlte sich die Garantieabteilung von General Motors nicht mehr dafür zuständig. So blieb mir schlussendlich nichts anderes übrig, als ihn abschleppen zu lassen und mich von ihm zu verabschieden. 

Der kurze Sommer in der Arktis ist eine Illusion, meist herrscht hier tiefer Winter

Der Denali Nationalpark gehört landschaftlich zu den spektakulärsten Regionen Alaskas. Die einzige Straße durch den Park führt entlang der schneebedeckten Alaska Range, die überragt wird vom höchsten Berg Nordamerikas, dem 6194m hohen Denali, „Der Große“ in der Sprache der Athabasken Indianer.

Zwei Vegetationszonen prägen den Park – der boreale Wald und die arktische Tundra. Nur wenige Zentimeter dünn ist die Vegetationsschicht, deren Leben im Sommer, begünstigt durch die warmen Temperaturen und das fast ununterbrochene Tageslicht, förmlich zu explodieren scheint. Gefangen im überaus langen, harten Winter mit Kälte, Wind, Schnee und Trockenheit haben die Pflanzen der Arktis nur wenige Tage Zeit ihre Pracht zu entfalten. Bereits Ende August ist es schon wieder vorbei und die Tundra erstrahlt dann in ihrem leuchtenden Herbstrot.

Der Denali Nationalpark ist ein Paradies für Fotografen

Insgesamt acht Monate verbrachte ich bis zum heutigen Zeitpunkt in dem Park, erkundete ihn zu Fuß, mit dem Fahrrad, Zelt und eben mit dem Auto. Dabei beobachtete ich wochenlang Wölfe, Elche, Karibus und die Bären, Grizzlies, um genau zu sein, wie sie wählerisch ihre Lieblingskräuter fraßen, Wurzeln ausgruben und Jagd auf arktische Erdhörnchen machten. Ich schaute Müttern zu, die ihre Jungen säugten oder mit ihnen spielten. Begegnete Bären bei der Paarung und beim Inspizieren der Busse. Der Fluchtabstand ist gering. Diese Vertrautheit ist bekannt als Nationalparkeffekt, denn wegen dem fehlenden Jagddruck im Nationalpark, nehmen die Tiere den Menschen nicht als Feind wahr. 

Für Fotografen ist die Situation genial, um an gute Bilder zu kommen. Das Problem ist aber, sobald die Tiere die Parkgrenzen überschreiten, sind sie zum Abschuss freigegeben. Trophäenjäger aus aller Welt zahlen hohe Gebühren um Elch, Bär, Karibu oder Wolf zu töten. Dadurch wird der Wolfsbestand im Denali Nationalpark immer wieder an die Grenze der Ausrottung getrieben. Die Wölfe aber besetzen eine wichtige Funktion im Ökosystem. Als Gesundheitspolizisten selektieren sie die schwache von der gesunden Population der Karibus, Elche und Dall Schafe. Bären können da keine große Hilfe sein, denn sie sind zu langsam, um Tiere zu jagen. 

Die Aufgabe der Nationalparks

Deshalb ist es wichtig, dass wir Schutzzonen für die Natur und die Tiere errichten, möglichst mit einer großen Pufferzone rundherum, in der die Jagd nur sehr reglementiert stattfinden kann. Es ist wichtig für uns und unsere künftigen Generationen alles nur Erdenkliche zu tun, um möglichst viele Ökosysteme intakt zu halten. Der Natur ist es egal was wir mit ihr anstellen, denn eines Tages wird unsere Zivilisation, ja die gesamte Menschheit Geschichte sein, verschlungen von eben dieser Natur. Streng genommen ist es also ein rein egoistischer Gedanke, der uns dazu antreibt, die Umwelt zu erhalten. Oder finden Sie es erstrebenswert in einer öden, zerstörten Landschaft zu leben, in der kein weiteres Leben mehr existieren kann? Gehen Sie hin in den Denali Nationalpark, marschieren Sie durch die Tundra, überzeugen Sie sich von der geschützten Natur und lassen sie die Stille, Weite und Einsamkeit der arktischen Landschaft auf sich wirken. 

Der Park und meine Auszeichnung

Übrigens, für meinen Einsatz als Fotograf, aber auch als Autor zahlreicher Artikel über den Park, zeichnete mich die Parkverwaltung des Denali Parks 2010 aus, indem sie für das neue Eielson Visitor Center zwei meiner Bilder für ihre permanente Ausstellung auswählten. Eines davon, das Bild zweier kämpfender Elche steht direkt vor dem Eingang. Für mich ist das die schönste Auszeichnung, die ich für meine Arbeiten im Norden Nordamerikas je erhielt. 

Lust auf mehr? Kommen Sie doch mit mir mit auf die Erlebnis- und Fotoreise Alaska.

© 2020 by Thomas Sbampato